Wo steht die Moral?
Die weltlichen Entscheidungen der göttlichen Ordnung, die wir Din (Religion, Lebensweise) nennen, können wir in 4 Aspekten bewerten:
1 – Akaid (Die Glaubensgrundsätze)
2 – Ahlak (Moral, Charakter, Tugendeigenschaft)
3 – Ibada (Handlungen, die als Gottesdienst verstanden werden)
4 – Muamala (das Verhalten, die Formalitäten)
Diese 4 Faktoren bilden das Gebäude bzw. Gebilde „Din“, wobei die Akida (die Glaubensgrundsätze) der Grundstein dieses Gebäudes ist und die restlichen 3 Faktoren, liegen auf diesem Grundstein. Bis hier ist jeder der gleichen Meinung.
Das wirkliche Problem entsteht bei der Reihenfolge der letzteren 3 Faktoren.
Diejenigen, die den Din verdienstlichen, legen auf den Grundstein die Ibadat. Für diese kommen die gottesdienstlichen Handlungen direkt nach den Glaubensgrundsätzen.
Diejenigen, die den Din verpolitisieren, legen auf den Grundstein die Muamala. Für diese kommt der Ahlaq an letzter Stelle. Auf gut deutsch: Ahlaq kann existieren, muss aber nicht.
Den wahren Rang des Ahlaq´s finden wir in der Folge der Hinabsendung des Qur´an. Der Qur´an hat eine Generation erzogen und ausgebildet. Als er sie erzog, hat er ihnen einen „leeren“ Vertrag unterschreiben lassen. Der Gesandte Allah´s sagte nur eins:
„Yâ ibadallah! Qûlû lâ ilahe illallah, tuflihû. (O ihr Diener Allah´s! Sagt es gibt keine Gottheit ausser Allah und rettet euch)“
Dies war eine Unterschrift auf ein leeres Blatt; denn zu diesem Zeitpunkt gab es nur den Salah (das tägliche Gebet). Aber kein Fasten, keine Pilgerfahrt, keine Zakat (Die rituelle Plicht-Sozialabgabe im Islam).
Lasst uns ein Blick in die ersten Ayat´s werfen, die für die Erziehung der Qur´an-Generation hinabgesandt wurden. Die Sura al-Qalam (Der Stift) ist für einige Qur´an-Gelehrten die 2. Sura, die hinabgesandt wurde. (Zur Information: Eine Sura besteht aus mehreren Ayat´s). In der 4. Ayat dieser Sura wird die Eigenschaft des Gesandten Allah´s deutlich, aber auch die wichtigste Eigenschaft, warum Muhammad (s) für diese Aufgabe erwählt wurde:
„Und du besitzest ganz sicherlich hohe moralische Eigenschaften“
Erst im 15. Jahr der Gesandtschaft wurde der Zakat zur Plicht auferlegt.
Das Fasten unmittelbar nach dem Zakat, ebenfalls im 15. Jahr.
Der Hajj (die Pilgerfahrt), wurde frühestens im 19. Jahr zur Pflicht.
Verbotenes wie Berauschendes, Glücksspiel, Schweinefleisch, Aas usw. wurden zwischen dem 16. und 23. Jahr Stück für Stück als Haram erklärt.
Lasst uns nun mit dieser Betrachtungsweise sehen, was der Qur´an den Gläubigen in den ersten Jahren der Gesandtschaft lehrte:
„Also hinsichtlich der Waise, so unterdrücke nicht!“ (93:9)
„Und hinsichtlich des Bittenden, so beschimpfe nicht!“ (93:10)
„wenn sie etwas geben, dann sind sie mit ihren Herzen ehrfurcht-erfüllt“ (23:60)
„Abneigen und fernhalten vom unnützen Gerede“ (23:3)
„Das Wahren von Anvertrautem und Abmachungen“ (23:8)
„Das nichtbrechen bzw nichtverletzten von Versprechen und Gelöbnissen bzw. Bündnissen“ (23:20)
„Das Schlechte (Üble) mit dem Guten abwehren bzw. fortjagen“ (13:22)
Sofort nach der Fetlegung der Priorität des Ahlaq´s muss man sich die folgende Frage stellen:
Woher eignet man sich eigentlich Ahlaq an? Vom Buch oder vom Mensch?
Man kann sich den Ahlaq nicht vom Buch aneignen. Weil der Ahlaq etwas zu Lebendes ist. Es bezieht sich auf die Institution des Vorbildes. Sunna ist die Wandlung der Sätze des Qur´an´s in Handlungen.
Den Ahlaq eignet man sich von Menschen an, die es schaffen den Qur´an in Handlungen umzuwandeln; also deren Ahlaq der Qur´an ist!
Das Auge sucht solche Leute.
Wo sind sie jetzt?
Donnerstag, 22. November 2007
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